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Der Hauptanteil des Fischaufkommens an Indiens Ostküste wird immer noch durch traditionelle Fischereifahrzeuge angelandet. Von diesen Wasserfahrzeugen ist der Kattumaram der am häufigsten genutzte Typ. Diese Flöße sind vor allem an Indiens Ostküste zwischen Puri (Bundesstaat Orissa) und Kanyakumari (Bundesstaat Tamil Nadu) in Gebrauch. An diesem ca. 2000 km langen Küstenabschnitt sind unter den etwa 60.000 Fischereifahrzeugen allein rund 40.000 Kattumarame zu finden.
Das Ziel dieser Forschungsarbeit war es, das traditionelle Wasserfahrzeug der Indischen Ostküste zu beschreiben - den Kattumaram. Der Fokus liegt dabei auf der Beschreibung der Veränderung von Konstruktion und Verwendung dieses Fischerfloßes. Außerdem sollen die zwei, eng mit dem Kattumaram verwandten, modernen Floßtypen vorgestellt werden.
Diese Forschungsreise fand zufällig direkt in den Wochen vor dem Tsunami vom 26. 12. 2004 statt. Sie stellt damit eine einmalige Bestandsaufnahme vor der teilweisen Zerstörung der Fischereiflotte an Indiens Ostküste dar.

Abb. 2: Strand von Chennai während des Tsunamis 2004. Foto: H. Pohl

Im Rahmen einer viermonatigen Forschungsreise vom November 2004 bis Februar 2005 konnten die Länder Nepal, Indien, Thailand sowie Myanmar bereist werden. Dabei standen die Ostküste Indiens und die Westküste Myanmars im Vordergrund des Forschungsinteresses.
Die jüngst veröffentlichte Monografie zum traditionellen Bootsbau in Südasien >>Boats of South Asia>> gab eine willkommene Forschungsbasis. Hier wurde eine Vielzahl von traditionellen Booten von Bangladesh bis Sri Lanka ausführlich beschrieben. Der Fokus dieser Monografie lag auf Plankenbooten, so dass der Kattumaram als Stammfloß nicht behandelt wurde. Gerade der Kattumaram stellt aber immer noch die Nummer Eins bei den Fischereifahrzeugen an Indiens Ostküste dar. Eine Beschreibung dieses Typs wurde im Schlusskapitel der Monografie ausdrücklich erwünscht.
Startpunkt der Forschungsreise war Kolkata. Dort wurde ich mit der reichen Vielfalt westbengalischer Wasserfahrzeuge durch den maritimen Ethnologen Swarup Bhattacharyya bekannt gemacht. Swarup stellte verschiedene Bootsbautraditionen im Bereich des Gangesdeltas vor und gab wertvolle Anregungen zum weiteren Reiseverlauf. Die weiteren Stationen waren von Nord nach Süd: Tarsali, Puri, Gopalpur, Vizakhapatnam, Machilipatnam, Chennai und Mamallapuram.

Abb. 3: Karte des Untersuchungsgebiets. Zeichnung: H. Pohl

In Chennai fand diese Forschungsreise durch den Tsunami am 26. 12. 2004 ein jähes Ende . Auch wenn die Auswirkungen in der Bucht von Chennai nicht so dramatisch waren wie in anderen Landesteilen, sind doch die Fischer in ihrer Existenz hart getroffen worden. Der Verlust an Menschenleben, aber auch der gesamten am Strand gelagerten Fischereiausrüstung, war zu beklagen. In Mamallapuram konnten nur noch die entweder zerstörten oder weit in das Landesinnere geschwemmten Boote und Flöße beobachtet werden. Eine weitere Untersuchung der weiter südlich gelegenen Kattumarame war unter diesen Umständen nicht mehr möglich.
In einer zur Veröffentlichung eingereichten Arbeit soll versucht werden, drei verschiedene Typen von Fischereifahrzeugen zu beschreiben. Bei allen drei Typen handelt es sich auftriebstechnisch um Flöße.

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